HERMERSBERG: Blockheizkraftwerk für „In der langen Dell" soll von Verbandsgemeinde gebaut und unterhalten werden

Das Neubaugebiet „In der langen Dell" wird eine zentrale Nahwärmeversorgung erhalten. Diesen Satzungsbeschluss fasste der Gemeinderat am Mittwoch einstimmig und übertrug zugleich den Bau und die Unterhaltung des Blockheizkraftwerkes an die Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben.

Der Verbandsgemeinderat muss dieser Aufgabenübertragung noch zustimmen. Ortschef Erich Sommer sagte, dass man sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Man habe sich im Rahmen des Ilek-Programms (Ilek: Integriertes ländliches Entwicklungskonzept) für die alternative Energieform eines mit Stroh betriebenen Blockheizkraftwerks entschieden. Für die 41 Bauplätze wird ein Anschlusszwang bestehen. Aufgrund der großen Nachfrage nach Bauplätzen „werden wir nachlegen mit dem Ziel, in den nächsten fünf Jahren 70 bis 80 Häuser mit Fernwärme zu versorgen". Die benötigte Menge an Stroh könne in  Hermersberg selbst erzeugt werden. Insgesamt werden rund 700.000 Euro investiert, weshalb der Anschlusszwang notwendig sei. Sämtliche Fraktionen sprachen sich für dieses Projekt aus, wobei keine unzumutbaren Beeinträchtigungen für die Bauwilligen entstünden.

Matthias Könnel (CDU) befürwortete die neue Form der nachhaltigen Rohstoffverwertung, während für Jochen Werle (SPD) die Anlage Modellcharakter hat, was zugleich ein erfreulicher Ansporn sei. Die Bauherren gingen kein Risiko ein und würden zudem günstiger als herkömmlich heizen. Für Hans-Jürgen Ehrhart (FWG) ist zudem wichtig, dass das Geld für Investition und Folgekosten in der Region bleibt. Verbandsbürgermeister Winfried Krämer sagte, dass man noch nicht entschieden habe, ob man im Fall eines Heizungsausfalls alternativ mit Öl oder Gas arbeiten wird.

Nach der Übertragung an die Verbandsgemeinde hat sich  Hermersberg ein Vorkaufs- beziehungsweise Mitspracherecht eingeräumt, damit die Versorgung nicht in fremde Hände gelange, ergänzte Sommer. Bereits im Februar soll die Ausschreibung für die Straßen im Baugebiet erfolgen, damit in diesem Jahr bereits die ersten Häuser errichtet werden können.

Für die Finanzierung des Vorhabens in Höhe von 700.000 Euro rechnet man bei der Verbandsgemeinde mit Zuschuss vom Land aus dem Ilek-Programm in noch unbekannter Höhe. Die Anlage werde die einzige ihrer Art im Land sein und wurde als Pilotprojekt in das Ilek-Programm aufgenommen. Ohne die Zuschüsse zu berücksichtigen, ergaben vorläufige Berechnungen, dass pro Grundstück 10.750 Euro als Baukostenzuschuss von den Eigentümern bezahlt werden müssen. Darin enthalten ist auch der Hausanschluss. Für die Bereitstellung der Energie und die Wartung der Anlage kommen voraussichtlich weitere 200 Euro jährlich an Fixkosten auf die künftigen Hausbesitzer zu. Diese Kosten werden ebenso wie der Bezugspreis, der bei 5,6 Cent pro Kilowattstunde liegen soll, von der Verbandsgemeinde, ähnlich den Rechnungen für Wasser oder Abwasser, erhoben.

Die Wirtschaftlichkeitsberechnung beruht auf einer Machbarkeitsstudie der Firma WVE, derzufolge der Betrieb des Blockheizkraftwerks mit Stroh zehn Prozent günstiger ist als vergleichbare Anlagen, die mit Heizöl betrieben werden. Darin sind alle Investitions-, Betriebs-, Wartungs- und Brennstoffkosten nach aktuellem Preisstand, speziell der Bezugskosten für den Brennstoff, berücksichtigt. Die Anlage wird 800 Kilowatt leisten und ist für einen Jahresbedarf von 660.000 kW pro Jahr ausgelegt. Eine Erweiterung auf die benachbarten, bestehenden Gebäude, für die ein Bedarf von jeweils 25 kW je Einheit zu Grunde gelegt wird, sei ebenso möglich wie der Anschluss des Gewerbegebiets.

Die benötigten 165 Tonnen Stroh können auf einer Anbaufläche von 40 bis 50 Hektar (4,5 Tonnen je Hektar) erzeugt werden. Aktuell müsste man pro Jahr für 34.000 Euro Heizöl beziehen, während die entsprechende Menge Stroh nur 9700 Euro koste. (jn)

RACKOWM

Quelle: 
Verlag: DIE RHEINPFALZ 
Publikation: Pirmasenser Rundschau 
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