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Ein Herzensprojekt von Schule und Gemeinde


Was summt denn da, was brummt denn da und was wächst im neuen Schulgarten der Sickingerhöh-Grundschule Hermersberg/Höheinöd in Hermersberg denn? Eine ganze Menge.

Hermersberg. Leckeres Gemüse und Obst wächst im Schulgarten der Sickingerhöh-Grundschule, aber auch Blumen blühen und auf dem Grundstück unweit des Sportplatzes fühlen sich nicht nur die kleinen Gärtner aus Hermersberg wohl, sondern auch zahlreiche Insekten, die hier ein großes Nahrungsangebot finden.

Jan-Ole ist zehn Jahre alt. Es sind seine letzten Tage in der Grundschule in Hermersberg. Den neuen Schulgarten findet er super, sagt er. Er kümmert sich unter anderem darum, dass die Pflanzen Wasser bekommen, auch an schulfreien Tagen und in den Sommerferien, verspricht er. Obwohl er ab September das Leibniz-Gymnasium in Pirmasens besuchen wird: „Auf den Garten werde ich immer schauen“, sagt er und holt mit der Gießkanne Wasser aus dem großen Behälter.

„Den wollten wir immer schon mal haben“Dass sich in dem großen Regenwassertank immer genügend Nass fürs Schulgrün findet, dafür sorgt die Gemeinde, erklärt Bürgermeister Erich Sommer. Der Schulgarten war nicht nur ein Herzensprojekt der Schule, sondern auch der Gemeinde, bekennt er: „Den wollten wir immer schon mal haben.“ Dass die Kinder den Bezug zur Natur, dazu, wo Essen herkommt, nicht verlieren, „das ist bei uns an der Schule natürlich immer ein Thema. Auf ganz verschiedene Weise“, erläutert Verena Hartmann, Lehrerin an der Sickingerhöh-Grundschule. Die Möglichkeiten hätten sich durch den Schulgarten nun natürlich noch mal deutlich verbessert, ist sie sich mit ihren Kollegen Stephanie Dauenhauer, Carla Ziegler und André Marschall einig, die das Projekt allesamt von Beginn an begleiten.

Schon auf dem Weg von der Schule zum Schulgarten sei bei den Schülern die Vorfreude spürbar; wieder etwas gewachsen, wieder etwas zu ernten. „Natürlich verarbeiten wir das alles“, sagen sie. Ob süße Erdbeeren, Karotten, Kartoffeln, Pfefferminz, Kohlrabi, Radieschen, Sonnenblumen – das Angebot ist vielfältig.

Im Frühjahr war die Ortsgemeinde auf die Schule zugekommen, wollte wissen, ob Interesse an einem Schulgartenprojekt bestünde. Klar, sagten die Lehrer und hatten das noch gar nicht richtig ausgesprochen, da schritt die Gemeinde schon zur Tat, erzählt Hartmann lachend. Sehr schnell sei auf dem Grundstück die Gartenfläche entstanden, es seien Beete angelegt worden, „so dass wir zügig loslegen konnten“, berichtet die Lehrerin. Zeitlich habe das perfekt gepasst, weil die Großmutter einer Schülerin Saatkartoffeln spendete. Mit den Kartoffeln im Gepäck ging es mit den Kindern zum ersten Mal in den Schulgarten, „und die waren so begeistert, dass sie danach von zu Hause alles Mögliche mitgebracht haben“, erzählt Hartmann. Alles was die heimischen Gärten oder die Geldbeutel der Eltern hergegeben haben, wächst und gedeiht nun im Schulgarten. Auch an Werkzeug für die Gartenarbeit fehlt es nicht. Und so kann fleißig geerntet werden.

In Hermersberg werden die dritten und vierten Klassen unterrichtet, in Höheinöd die Klassen eins und zwei. Der Bezug zum Garten, zur Nahrung, der sei bei den Kindern aber noch vorhanden, sagen die Lehrer. Im schuleigenen Garten selbst Hand anlegen zu dürfen, das Gärtnerglück genießen, wenn etwas prächtig wächst, das Gärtnerleid erfahren, wenn etwas einfach nicht wachsen will oder die Schnecken schneller als der Gärtner sind – das sei für die Kinder immer was Besonderes. Auch dass Hand in Hand zusammengearbeitet werde.

Dort wo jetzt ein Garten angelegt ist, befand sich einst eine Boccia-Bahn. Die war verwildert. Da es zum Boccia alternative Möglichkeiten in der Gemeinde gibt, „dachten wir, das ist der perfekte Platz für den Schulgarten“, erzählt der Bürgermeister. Mit Wolfgang Gries sprach er über das Projekt. Perfekt deshalb, da waren sich beide einig, weil der Schulgarten bei den von der Schule genutzten Sport- und Spielanlagen liegt.

Die ein oder andere Idee wurde bei der Gestaltung eingebracht. Zum Beispiel, dass Holzstämme als Beeteinfassung dienen. Wie jeder Garten ist der Schulgarten auch nie fertig. Mittlerweile hängt das Schild, das den Schulgarten ausweist, aber geplant ist noch einiges. „Ein großer Kräutergarten“, sagt Sommer. Denn der Garten soll Spaß machen, „aber auch einen Lerneffekt haben“, unterstreicht der Bürgermeister. Deshalb ist der große Wunsch aller Beteiligten, der noch erfüllt werden wird: ein Klassenzimmer im Schulgarten, für Unterricht unter freiem Himmel. Holzbänke, wie sie entlang der Hermersberger Wanderwege aufgestellt sind – für deren Fertigung erhielten die Gemeindearbeiter schon viel Lob – werden auch als Schulbänke angefertigt werden. „Das wird gut“, freut sich Sommer. Und auch Jan-Ole wird dann sicher mal vorbeischauen, wenn es die Unterrichtszeiten am Gymnasium zulassen.
Quelle

Ausgabe Die Rheinpfalz Pirmasenser Rundschau - Nr. 168
Datum Samstag, den 22. Juli 2023