Hermersberg: Es geht voran in der Gemeinde auf der Sickinger Höhe. Beim RHEINPFALZ-Dorfspaziergang zeigten Einwohner, wo gerade gebaut und gewerkelt wird und welche Projekte als nächste anstehen. Stolz sind die Hermersberger auf ihre Dorfgemeinschaft, die seit vielen Jahren gepflegt wird. Das sanierte Rathaus hat sich zum Kulturzentrum gemausert.


Der Hermersberger Dorfmittelpunkt ist an der Einmündung der Mozartstraße zur Hauptstraße. Und nur dort. „Das Lebenszentrum“ nennt es Bürgermeister Erich Sommer. Besonders hübsch ist diese Ecke der Sickinger-Höhe-Gemeinde nicht. Doch das ändert sich nun.An der Kreuzung Mozart-/Hauptstraße trifft sich Hermersberg. Da ist das Gasthaus Juner, hier stand früher die Diskothek Paradies. Der Lebensmittelhändler ist dort angesiedelt und ein Hundesalon. Die Vertretungen von Sparkasse und VR-Bank sitzen ebenfalls an dieser Ecke. Gegenüber, auf der Mauer vor der evangelischen Kirche, verbringen so einige die warmen Abende bei einem Schwatz. Das erzählen alteingesessene Hermersberger beim RHEINPFALZ-Dorfspaziergang am Dienstagabend.

Gut, besonders einladend sieht der mit Kies aufgeschüttete Platz neben dem Gasthaus – direkt an der Durchfahrtsstraße – nun nicht aus. Doch die Hermersberger wollen keinen anderen Dorfmittelpunkt haben. Das zeigte sich, als die Einwohner ein anderes Zentrum angeboten bekamen. Ein lauschiges Plätzchen unter Bäumen mit hübschen Brunnen dort, wo sich Berg- und Gartenstraße treffen. Am Milchhäuschen, an dem früher die Bauern morgens und abends die Milch ablieferten, in einem wenig befahrenen Areal.

Nix da, hieß es jedoch. Das Dorfzentrum bleibt das Dorfzentrum, und das ist nun mal an der Hauptstraße. Das idyllsche Eckchen samt seinen Brunnen wurde nicht angenommen. Zwar wird das Schnapsgassenfest dort gefeiert, für das Hermersberg weithin bekannt ist, doch als gemütliche Begegnungsstätte für einen spontanen Plausch wird die Stelle selten genutzt, wie Einwohner erzählen.

Die Gemeinde reagierte: Wenn die Einwohner ihr Zentrum nun mal unbedingt an der Ecke Haupt-/Mozartstraße haben wollen, dann ist das halt so. Und dann soll es dort auch ordentlich aussehen. Gesagt, getan. Der Platz wird ausgebaut, soll nun endlich so schön werden, wie es seiner Bedeutung in der Gemeinde zukommt. Mit „Sitzgelegenheiten für alte Frauen“, wie Alice Fromknecht beim RHEINPFALZ-Spaziergang forderte. Mit schattenspendenden Bäumen – auch wenn der ein oder andere Einwohner über das fallende Laub im Herbst klagen dürfte, wie Bürgermeister Erich Sommer befürchtet – zu wenig Grün im Ort, das sei das Einzige gewesen, was die Kommission des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ in Hermersberg bemängelte. Mit einem schönen Pflaster und mit Wasser, das in irgendeiner Form integriert werden soll. „Prima, da wasch’ ich mir die Füße“, meint Alice Fromknecht trocken.

Die Pläne für den neuen Platz werden schon einige Zeit im Gemeinderat verhandelt und nehmen langsam Gestalt an. Im nächsten Frühjahr sollen die Arbeiten ausgeschrieben werden.

Wo nun der neue Dorfmittelpunkt entstehen soll, stand bis vor einigen Jahren die Disco Paradies. Längst ist der Tanztempel geschlossen, das Gebäude abgerissen, die Erinnerungen an die Dorfdisko sind bei den Hermersberger aber noch wach. Ende der 70er, Anfang der 80er war die Hochzeit des Paradies, erzählen unter anderem Günter Faust und Jürgen Burkhard. Die jüngeren Hermersberger durften sonntagsnachmittags auf ein Cola-Bier im Paradies vorbeischauen. Richtig voll war die Hütte aber am Samstagabend. Die komplette Hauptstraße der Sickingerhöh-Gemeinde war dann mit Autos zugeparkt.

Die Gäste kamen aus der ganzen Region, um sich in Hermersberg im Paradies über drei Stockwerke zu amüsieren. Aus allen Etagen konnte man auf die Bühne schauen. Gut möglich, dass die Feierwilligen damals zu der Musik tanzten, die der heutige Ortsbürgermeister Erich Sommer als Discjockey auflegte. Von der Disko profitierte indes auch das Gasthaus Juner, das heute noch Treffpunkt für die Hermersberger ist. „Wem das Bier im Paradies zu teuer war“, der ging zum Juner, erinnert sich Günter Faust. Ein ständiges Kommen und Gehen sei das gewesen.

„Es gibt halt viel im Ort“, sagt Margit Baumann, die ihr ganzes Leben in Hermersberg verbracht hat, wie sie erzählt. „Wir sind immer nur ein paar Straßen weitergezogen“, sagt sie und lacht. Die Infrastruktur in Hermersberg sei für eine Gemeinde auf dem Land hervorragend. Neben Ärzten – dem Beigeordneten Dirk Palm zufolge gibt es gleich drei Allgemeinmediziner – finden sich Apotheke, Friseur, Supermarkt, Metzger, Bäcker und eine Tankstelle. „Da fehlen nur ein Kino und ein Schwimmbad“, meint Baumann mit einem Augenzwinkern.

Schmuck sieht das Hermersberger Rathaus aus. 1,2 Millionen Euro hat die Gemeinde in die Sanierung gesteckt. „Aber das Haus wird genutzt, also hat es auch Sinn und Zweck gehabt“, macht Erich Sommer deutlich. „Das Rathaus ist jeden Tag besetzt“, betont Renate Könnel, die die Außenstelle der Kreisvolkshochschule (VHS) leitet. Neben der VHS und der Gemeinde nutzt die Musikschule des Kreises das Gebäude, und der Männergesangverein hat seine Proberäume im zweiten Stock. Laut Könnel hätten einige Bürger gegen die Sanierung des alten Gebäudes protestiert, stattdessen den Abriss gefordert. „Aber inzwischen hat es sich richtig zum Kulturzentrum gemausert“ und wird vielfach genutzt, erzählt Könnel. Der große Trend bei der Hermersberger VHS ist Yoga: Gleich fünf Kurse gibt es in der Woche im Rathaus.

Für den Herbst hat Renate Könnel eine weitere Idee: Eine Einführung in die arabische Sprache soll es geben. Die Idee kam ihr durch den jungen syrischen Flüchtling Abd Alfatah Amasha, der in Hermersberg wohnte. „Er hat die deutsche Sprache so schnell und so gut gelernt. Und ich dachte die ganze Zeit, um Himmels willen, was, wenn wir Arabisch lernen müssten“, erzählt Könnel. Diese Möglichkeit bekommen die Hermersberger nun. Zumindest mal zum Reinschnuppern. Inzwischen sei Amasha an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Seine Hermersberger Freunde besuche er aber immer noch alle paar Wochen.

Ist man im Wohngebiet westlich der Hauptstraße unterwegs, fallen die unterschiedlichen Architekturstile der vielen Einfamilienhäuser auf. „Wir machen da wenige Vorgaben, es soll jeder bauen, wie er will“, meint Palm gelassen. Während in anderen Dörfern pedantisch der Baustil, die Ausrichtung der Häuser oder die Farbe der Ziegel vorgegeben sind, setzt Hermersberg auf Vielfalt. Das funktioniert: Das Wohngebiet wirkt offen und freundlich.

Für den Dorfzusammenhalt seien die Feste wichtig – Dorffest, Kerwe und Schnapsgassenfest. Letzteres findet am dritten Augustwochenende statt, zieht durchaus bis zu 6000 Gäste an und hat seinen Namen vom Veranstaltungsort an Garten- und Bergstraße. Dort gab es früher mehrere Brennereien. Die letzte betrieb bis vor einigen Jahren Bürgermeister Erich Sommer, wie Palm berichtet.

Lebhafte Erinnerungen haben einige Hermersberger an die Ursprünge der heutigen Pizzeria Roberto. Flüchtlinge aus dem Osten, die von der Roten Armee vertrieben worden waren, führten dort einen großen Bauernhof. Gern gesehen waren die Neuzugänge im Dorf aber nicht, erzählt Renate Könnel. „Vor 50, 60 Jahren war das genau wie heute.“ Zwar hätten die damaligen Flüchtlinge dieselbe Sprache gesprochen, doch auch damals seien einige Zeitgenossen überzeugt gewesen, dass die Neuen „alles in den Rachen geschmissen bekommen und noch nie gearbeitet hätten“, sagt Könnel. Geschichte wiederhole sich eben. Später betrieben Kurt Weis und seine Frau an dieser Stelle viele Jahre das Café Weis. (Die Rheinpfalz)

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