Endlich mal wieder ein bisschen feiern können. Die Freude, mit Freunden gemütlich was trinken und essen zu können, unter freiem Himmel Musik hören, einfach Menschen zu treffen, war den Besuchern des Schnapsgassenfestes am Wochenende anzumerken. Hermersberg hatte unter Beachtung der aktuell gültigen Corona-Verordnung dazu eingeladen.

„Unser Sicherheitskonzept hat funktioniert“, bilanzierte Dirk Palm, der Vorsitzende des Hermersberger Vereinsrings. Für fehlenden Schlaf in den vergangenen Tagen entschädigte ihn und die Helfer das große Lob, das den sechs Vereinen, die in Zusammenarbeit mit der Gemeinde das Fest auf die Beine gestellt hatten, immer wieder gezollt wurde. „Habt ihr gut gemacht“, zeigten sich die Gäste zufrieden.

Wie groß die Sehnsucht nach Feiern war, zeigte sich am Samstag schon vor 17 Uhr. Im Haupteingangsbereich zur „Schnapsgass“, in der Gartenstraße, hatte sich eine erste kleine Schlange gebildet. Besucher, die auf Einlass warteten. Ein Teil des neuen, der Corona-Pandemie geschuldeten Sicherheitskonzeptes: die komplette Umzäunung des Festgeländes. Ebenfalls neu am Samstagabend: drei Euro Eintritt, für alle über 15-Jährigen, um die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen finanzieren zu können. Diskussionen darüber am Eingangsbereich: null.

Die Teststation direkt beim Fest
„Wir mussten schon im Vorfeld vieles neu denken“, bekannte Palm. Zu den Aufgaben, die es früher nicht gab, gehörte es, Wechselgeld für die beiden Kassenbereiche bereitstellen. Als die Mitarbeiter der Security zur Unterstützung an die Kassen kamen – in der Bergstraße befand sich Eingang zwei – spielte sich das Vorgehen schnell ein. Nachweisen, dass man geimpft, genesen oder getestet ist. Das wurde genau kontrolliert. „Zeig’ mal, ich sehe nichts“, sagte Bernd Emig. Sonne und Handydisplays – keine gute Kombination. Genau geschaut. „Passt“, gab es grünes Licht und ein grünes Bändchen von der Security. „Super“, freuten sich Emig und Martin Hartmann über die Geduld der Besucher und ihre gute Vorbereitung. Während der Eintritt bezahlt wurde, checkten viele routiniert über die Luca-App ein. Kontaktdaten erfasst. Die größte Herausforderung an der Kasse war, dass kurz nach 17 Uhr der erste Besucher schon drei Euro Eintritt mit einem 100-Euro-Schein bezahlte.

„Gut war, dass die Teststation direkt dabei war“, bilanzierte Palm. Gegenüber dem Festgelände hatte die örtliche Apotheke die Corona-Teststation geöffnet und nahm etliche Abstriche. Negatives Ergebnis: Ab aufs Fest. Auffallend: Nahezu alle Besucher hatten auch Masken dabei, obwohl laut Corona-Verordnung keine notwendig war.

Security, komplett eingezäunt: Niemand sollte unerlaubt aufs Fest kommen können. „Wir haben nicht mehr Bauzäune gestellt, als in den vergangenen Jahren. Nur anders angeordnet“, skizzierte Palm einen weiteren Punkt im Sicherheitskonzept. Wurden sonst vor allem Vorgärten vor betrunkenen Besuchern geschützt, war jetzt das gesamte Festgelände eingezäunt. Wer drin war, blieb drin.

Andere verreisen, das Dorf feiert
„Wir haben es im Verein diskutiert, die Mehrheit war dafür, dass wir mitmachen. Was soll auch sein. Wir sind alle zwei Mal geimpft, sind genesen oder werden getestet. Viele fahren in Urlaub, da muss es auch möglich sein, hier zu Hause zu feiern“, sagte Georg Eisenhuth, der Vorsitzende des MGV Hermersberg, während er das umfangreiche Essensangebot für hungrige Besucher vorbereitete. Auf das sonst obligatorische Singen zur Festeröffnung wurde verzichtet. Aus Sicherheitsgründen. Nebenan am Bierstand stimmen sich die Mitglieder der „MoosIX“ auf ihren Auftritt ein. „Wir freuen uns, bei einem Fest Musik machen zu können“, bestätigte Felix Burkhard.

Entzerren war ein wichtiger Aspekt bei der Festvorbereitung. „Dadurch, dass zwei Vereine nicht mitmachen, gibt es ja ein bisschen mehr Platz“, resümierte Jochen Werle, der Vorsitzende des TB Hermersberg. Auch beim Turnerbund wurde entzerrt. Während in der Gartenstraße am TB-Stand die Vorbereitungen für das Crepesbacken liefen, saßen in einem unweit gelegenen Hof bereits Gäste der Turner bei einem kühlen Getränk.

Wassertanks als Stehtische und Raumteiler
Aus Herschberg wurden zu Stehtischen umfunktionierte Wassertanks geholt. Platz, um Getränke zu genießen, zugleich auch Raumteiler, um keine zu großen Gruppen beieinander stehen zu haben. Dahinter Tische und Bänke. „Sitzgarnituren haben wir deutlich mehr aufgebaut als in den übrigen Jahren“, berichtet Palm. „Schönen Gruß von unserem Bürgermeister Erich Sommer. Wenn er bei der Eröffnung nicht dabei ist, heißt das, das Wetter ist gut und er ist bei der Ernte“, sagte Palm dann bei bestem Draußen-Feier-Wetter. Auf das Zelt war, um Gedränge darin zu vermeiden, bewusst verzichtet worden. Dafür standen mehr Sonnenschirme. Lauer Sommerabend, DJ beim SV Hermersberg – definitiv war Schnapsgassenfest. „Wir sind froh, dass mal wieder etwas stattfindet“, bekannte SVH-Spielleiter Klaus Dahler.

Diszipliniert feiern
„Auf ihr Brieder in die Palz“. Die MoosIX eröffneten. „Auf nach Hermersberg, wo das Schnapsgassenfest gefeiert wird“, nahm Palm den Faden auf. Er mahnte dazu, wozu auch auf Schildern beim Fest aufgefordert war: diszipliniert zu feiern. „Hat funktioniert“, konnte er nach zwei Festtagen beim Aufräumen feststellen. 2500 Besucher, die älter als 15 Jahre sind, hätten am Samstagabend mitfeiern dürfen. „Das haben wir nicht ausgereizt, aber es war sehr gut besucht“, bilanzierte der Vereinsringvorsitzende.

Auf Werbung für das Fest hatte die Gemeinde bewusst verzichtet. Aus Sicherheitsgründen. „Wir haben viel gelernt für nächstes Jahr“ sagte Palm und ergänzte: „Obwohl es am Schönsten wäre, wenn Corona dann keine Rolle mehr spielt.“ (Die Rheinpfalz)
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